Am Donnerstag, den 03.06.2010, kann man im archäologischen Freilichtmuseum auf drei seltsam gekleidete Personen treffen,
die über das russische Frühmittelalter Bescheid wissen und Bescheid geben.
Ihre Kleidung und ihre Ausstattung orientiert sich an archäologischen Funden. Im Gebiet zwischen den Wikingern
und Byzanz entwickelte sich damals eine ausgesprochen rege Handelsregion mit den vielfältigsten Kultureinflüssen.
Um 835 hört man das erste Mal von einem „Rus“ genannten Herrschaftsgebiet.
Im 10. Jahrhundert erlebt dieses „Rus“ seine größte Ausdehnung - zwischen Ostsee, Karpaten, Ural und Schwarzem Meer.
Die Bezeichnung „Kiewer Rus“ gab es damals noch nicht. Sie wurde erst durch den Historiker Nikolai Karamsin (1766-1826)
aufgebracht, um die frühmittelalterlichen Rus von den späteren Wladimirer Rus und Moskauer Rus zu unterscheiden.
Der historische Stoff wurde immer wieder politisch ausgebeutet, ähnlich wie man es in Deutschland mit den Germanen tat.
Stalin verstand etwa die Sowjetunion als „Staat der Ostslawen". Damit begründete er unter anderem, dass das als
ostslawisch angesehene östliche Polen in sein Reich eingegliedert wurde. Als Kronzeuge für diese Sicht der Dinge musste
das Frühmittelalter herhalten. Denn die stalinistische Geschichtsschreibung machte aus dem Kiewer Reich den ersten
ostslawischen „Nationalstaat“.
Allerdings war gerade die Bevölkerungsvielfalt typisch für das frühmittelalterliche Russland: In dem riesigen Gebiet lebten
Slawen zusammen mit Finnen, Schweden, Norwegern, Balten, türkischen und iranischen Nomaden und vielen
Stammesgruppen mehr. Auch die litauische, ukrainische und weißrussische Nationalgeschichte hatte das Thema
vereinnahmt - natürlich immer nur im eigenen Sinn.
Momentan erlebt der Rückgriff auf die Rus einen großen Wiederaufschwung. Kiewer Rus - Living History hat in Putins Russland
eine nahezu staatstragende Funktion, teilweise mit Begleiterscheinungen, die an das späte Zarenreich erinnern.
In Oerlinghausen geht es am Donnerstag jedoch weniger um die politische Interpretation des russischen Frühmittelalters,
sondern um den Alltag.
Was auf den Tisch kam, wie man mit dem Gürtel klimperte oder warum manche Männer geschminkt waren sind die
nahe liegenden Themen an diesem Sonntag.
Daten der Veranstaltung:
Donnerstag, der 03. 06.2010, 11.00 - 17.00 Uhr
Archäologisches Freilichtmuseum e.V.
Am Barkhauser Berg 2-6
33813 Oerlinghausen
Fon 0 52 02 / 22 20
Fax 0 52 02 / 23 88
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