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  • Vor 525 Jahren, also 1494, erschien in Basel „Das Narrenschiff“ von Sebastian Brant (Abb. 1). Narren sind für Brant keine Verrückten, sondern Leute, die in unterschiedlichen Lebenslagen wider besseres Wissen das Falsche tun. Das Werk war seinerzeit außerordentlich erfolgreich und ist auch heute noch als Nachdruck im Buchhandel erhältlich. Brant führt uns über 100 Narren und ihre Narreteien vor. In einem Kapitel geht es sogar ums Auffinden von Schätzen, für die Jetztzeit gesprochen also um ein Gebiet der archäologischen Forschung.

    Abb. 1: Bildnis des Sebastian Brant von Hans Burghmair d. Ä. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

    Die Illustration des Abschnittes belehrt uns aber, dass das Schatzfinden – wenigstens für Narren – nichts Gutes bringen kann. Sehen wir doch vor dem Hintergrund einer Landschaft einen Mann im langen Gewand, mit spitzen Schnabelschuhen und einer Kapuze, die von zwei hoch aufragenden Eselsohren geziert wird. Vornübergebeugt greift er mit ausgestreckten Händen nach zwei mit Geldstücken gefüllten Töpfen und einem verschlossenen Beutel auf dem Boden. Hinter dem Narren steht ein Teufel mit ausgespreizten Flügeln und pustet ihm mit einem Blasebalg in den Nacken. So sind wir als Betrachter gewiss, dass dieser Fund seine Begierde wecken und ihn auf eigensüchtige Ideen bringen wird. Es will den Schatz gewiss behalten!

    Tatsächlich ist das Gedicht sehr moralischer Natur. Dass erst kürzlich verborgene oder verlorene Kostbarkeiten dem Eigentümer oder notfalls dessen Erben zurückerstattet werden sollen, versteht sich heute von selbst. Sebastian Brant sieht das schon genauso, er ist freilich noch ganz mittelalterlichen Vorstellungen verhaftet, wenn er das gierige Verheimlichen und Behalten auf teuflische Einflüsterungen zurückführt.

    Brant fordert in seinem Gedicht seine Zeitgenossen dazu auf, Schätze aus alter Zeit wie die dargestellten Münzen (Abb. 2) für caritative Zwecke zu verwenden. Der Finder solle sie einem Armen geben oder für gottgefällige Werke verwenden. Er unterscheidet sich darin von unserem heutigen Ansatz, denn der moderne, antiquarisch-museale Geist des Sammelns, Erforschens und Bewahrens ist nicht feststellbar. Es fehlt also noch das archäologische Interesse, das bei den Humanisten in der Renaissance allmählich erwacht.

    Abb. 2: Wikipedia nach Sebastian Brant (eingestellt von Henricus Hirschdörfer)

    Der Apell, Funde nicht zu unterschlagen, ist aber unabhängig davon aktuell. Das beschränkt sich nicht nur auf zufällig geborgene Gegenstände von augenscheinlichem, materiellen Wert. Auch wenn heute keine Höllenstrafen mehr drohen, sollte es aus ethischen und rechtlichen Gründen selbstverständlich sein, dass bei archäologischen Funden die Regeln der Bodendenkmalpflege beachtet und die Fundstücke zur Begutachtung bei den zuständigen Museen und Denkmalpflegämtern vorgelegt werden. Wer sich gegenwärtig mit Prospektion beschäftigen möchte, trägt schließlich Verantwortung für Geschichte. Vielleicht stellen Sie sich jedes archäologische Bodendenkmal wie ein einzigartiges Buch vor, in dem eine Fülle noch unbekannten geschichtlichen Wissens gespeichert ist. Raubgrabungen als unkontrollierte und undokumentierte Entnahme von Fundobjekten wären in einem solchen Vergleich wie das absichtliche Herausreißen und Verstreuen von einzelnen Seiten zu verstehen. Wie Sebastian Brant eine solche Handlung genannt hätte, überlasse ich Ihrer Fantasie. Weitere, grundsätzliche Überlegungen zu Prospektionen hat Karl Banghard hier bereits im Blog „Auf die Äcker, die Steinzeit ruft!“ (https://www.afm-oerlinghausen.de/blog/auf-die-aecker-die-steinzeit-ruft/) vorgestellt.

    Wenn Sie „Das Narrenschiff“ noch nicht kennen, bietet der Auszug über das Schatzfinden Ihnen die Möglichkeit, einen ersten Blick hineinzuwerfen. Sebastian Brants spätmittelalterliches Deutsch ist gewöhnungsbedürftig und teilweise schwer zu verstehen, daher ist die lyrische (in Teilen etwas freie) Übertragung von Karl Simrock aus dem 19. Jahrhundert kursiv und in kleinerer Schrift beigefügt.

    Wer ettwas fyndt und dreyt das hyn

    Wer was er findet an sich nimmt

    Und meynt gott well, das es sy syn

    Und meint Gott hab es ihm bestimmt

    So hat der tufel bschyssen jn

    Den betrügt der Teufel schwer ergrimmt

    Von Schatz fynden

    Von Schatz-Findern

    Das ist eyn narr der ettwas fyndt

    Ein Narr ist auch, der etwas findet

    Und jn sym synn ist also blindt

    Und ist so an Verstand erblindet

    Und spricht: das hat mir got beschert

    Dass er spricht: Das hat mir Gott beschert

    Ich acht nit wem es zuo gehoert

    Ich frage nicht wem es gehört

    Was eyner nit hat uß gespreit

    Was einer nicht hat ausgesät

    Das ist zuo schnyden jm verseit

    Das ernt er nicht, wie Klugheit rät

    Eyn yeder wisß by siner ere

    Einem Jeden gibt sein Herz die Lehre

    Das das eym andern zuo gehört

    Dass einem anderen zugehöre

    Was er weisz das es syn nit ist

    Wovon er weiß, es sei nicht sein

    Es hilft nit ob jm schon gebryst

    Ihm hilft nicht, dass sein Gut nur klein

    Und er es findet on geverd

    Und dass er es fand ohne Gefährde:

    Er luog das es dem wider werd

    Er seh, dass es dem wieder werde

    Weiszt er jn, des es ist gesyn

    Wenn er ihn kennt, der es besessen

    Oder geb es den erben syn

    Oder geb es den Erben dessen;

    Ob man die all nit wissen kan

    Wenn man die all nicht wissen kann

    So geb man es eym armen man

    Geb er es einem armen Mann:

    Oder sunst durch gotts willen usz

    Der geb es Gott zu Liebe aus;

    Es soll nit bliben in dym husz

    Nur bleibs nicht in des Finders Haus;

    Dann ist es ab getragen guot

    Denn es ist unterschlagen Gut

    Dar durch verdampt jn hellen gluot

    Um das man brennt in Höllenglut

    Gar mancher ob solch synden sitzt

    Mancher von solchem Finden sitzt

    Den man offt ribt, so er nit schwitzt

    Wo man ihn reibt bevor er schwitzt

    Achor behilt das wat nit syn*

    Achor behielt, was doch nicht sein

    Und bracht dar dorch das volk jn pyn

    Ihm geschah dann was ihm nicht gefiel

    Zuo letst wart jm das er nit meynt

    Do man on baermung jn versteynt

    Sein Haupt nahm mancher Stein zum Ziel

    Wer uff sich ladt eyn kleyne bürd

    Wer auf sich nimmt nur kleine Bürde

    Der naem eyn grosser, wen es jm wurd

    Der nähm auch größre wenns ihm würde

    Fynden und rouben acht got glich

    Dem Raub wird Finden gleich geachtet

    Dann er din hertz ansycht und dich

    Vor Gott der nur das Herz betrachtet

    Vil waeger ist gantz fynden nüt

    Mehr frommt nichts Finden unbedingt

    Dann fundt den man nit wider gitt

    Als Fund, den man nicht wieder bringt

    Was man fyndt und kumbt eym zuo huß

    Ist erst der Fund in Deinem Haus

    Das kumbt gar ungern wider druß

    Kommt er so leicht nicht mehr heraus

    *) Achor hat hier einen missverständlichen Bezug zu einer Erzähltradition aus dem Buch Josua im Alten Testament (Jos. 7). Demnach hatte ein Mann namens Achan aus dem Stamm Juda bei der Eroberung Jerichos Gold, Silber und einen Mantel an sich genommen, obwohl die Stadt unter Bann stand und er deshalb nicht plündern durfte. Er erregte damit das Missfallen Gottes. Schließlich wurde er durch ein Losorakel ermittelt, gestand, die Güter wurden unter seinem Zelt vergraben gefunden (daher die Anspielung auf die Schatzfunde) und Achan wurde zur Strafe in der Ebene Achor gesteinigt.

    Literaturauswahl

    Sebastian Brandt, Das Narrenschiff (Erstdruck Basel 1494). (Online, abgerufen 17.5.21) https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/11823/1/

    Karl Simrock, Sebastian Brands Narrenschiff. Ein Hausschatz zur Ergetzung und Erbauung (Berlin 1872), Übertragung hier bes. S. 47 f. Nr. 20. (Online, abgerufen 17.5.21)

    https://books.google.de/books?id=b9NTT_H7QeQC&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q=schatz&f=false


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